Hampatongs

Hampatongs nennen die Dajakvölker Borneos ihre Kultmale. Sie sind aus Eisenholz geschnitten und sind oft menschengroß. Benutzt werden sie als Totenpfähle, Schreckmale und Lockfiguren.

 Totenpfähle oder Pantaks:

werden für Zweitbeerdigungen, den großen Tiwah-Festen, hergestellt. Wenn das Eisenholz es zulässt, erkennt man noch den Toten.

 Schreckmale:

wie auch Masken, bannen Schadgeister und werden Antu genannt. Sie dienen als Wächter-Hampatongs. Oft haben sie Tiergesichter, große Augen und Geschlechtsteile, oder sie zeigen ihre Zähne. Unter ihnen gibt es Spolien, die zur Steigerung ihrer Wirkung Bestandteile anderer Kulturen enthalten: Kronenkorken als Augen, Zähne beklebt mit silbernem Zigarettenpapier, Ohren aus Blech oder zerchnittenen Autoschläuchen.

 Lockfiguren:

oder Landaks sollen verlorene oder geraubte Seelen zurückholen, notfalls mit Hilfe eines Schamanen, denn Totenseelen können zu Schadgeistern werden.

Kunstwerke:

Kultmale und Masken überbrückten seit der Steinzeit die Trennung von Diesseits und Jenseits. Dabei änderte sich langsam dieser Zusammenhang. Im 20. Jahrhundert verschwanden in Borneo die jenseitigen Machthaber und mit ihnen die Hampatongs. Seitdem wurden die Hampatongs für uns zu Kunstwerken.

 

Eine frühe Nachricht über Hampatongs und Jars

(Aus dem Borneo Katalog der Stammeskunst-Sammlung KULT, Seite 124)

Die ersten Missionare, die zwischen 1836 und 1846 im holländischen Borneo am Kahajanfluß Gohong erreichten, waren die Deutschen Barnstein, Hupperts und Hardeland. Sie sprachen malaiisch, was einige der eingeborenen Kopfjäger verstanden. Ihre Mission blieb erfolglos. Hupperts wurde von muslimischen Malaien ermordet, Hardeland erkrankte und musste Borneo verlassen. Er hinterließ allerdings die Grundlage für weitere Kontakte: Ein Wörterbuch der dajakischen Sprache mit 6000 Begriffen. Erst 1849 veröffentlichte Inspektor Wallmann von der Barmer Mission diesen Bericht unter dem Titel „Die Götzen bleiben gern“. Zum ersten Mal kommen darin „Hampatongs“ vor „Götzen“ wie Wallmann schreibt: Am frühen Morgen wurde Hardeland durch ein lautes Geräusch geweckt. Er fand am Flusse Dajaken, welche eine Prau empfingen, die vier große Baumstämme hinter sich herschleppte, mehr unter als über Wasser. Seit fast einem Jahr nämlich waren einige Gohonger ins Binnenland gezogen, um den Tod eines ermordeten Bruders zu rächen. Nun kam die Nachricht von ihrer Rückkehr. Sie hatten den Mörder geköpft und einige der großen chinesischen Jars, jene Grabkrüge, die man dort abgöttisch verehrt, geraubt. Auf die Nachricht hin sammelten die Gohonger mächtige Eisenholzäste, um daraus Hampatongs zu machen. Hardeland versuchte, sie davon abzubringen. Drei Wochen wurde daran gearbeitet, bis es vier 18 Fuß hohe Hampatongs waren. Nun wurden alle Stammesangehörige nach Gohong geladen, denn die Ankunft des Kopfes stand bevor. In der Mitte des Häuptlingssitzes wurde ein zugespitzter Pfahl eingegraben und daneben die Hampatongs aufgestellt. Den Platz umschloss ein Ring aus geschlitztem Bambus. Vor dem Langhaus, dem Flusse zugekehrt, hatten sie ein Tor errichtet und vorerst durch ein Querholz versperrt. Dahinter standen Töpfe voll Arak. Dort saßen auch zwölf fast nackte Bliangs mit unzähligen Arm- und Beinringen. Sie schlugen auf Pauken und stießen gellende Töne aus, sobald eine Prau sich näherte. Der übrige Platz war angefüllt mit Männern. Etwa gegen acht Uhr hörte man in der Ferne die dumpfen Töne eines Gong und bald darauf erschien die Prau, welche den Kopf brachte. Sie hatte ein flaches Dach. Darunter saßen die Ruderer. Darüber schwankte der Kopf auf einem Rohr. Dreimal ruderten die Bluträcher vor dem Langhaus auf und ab unter Gonggetöne und Siegesschreien. Einer rief immer wieder eine halbe Minute lang: „a-h la la la la la,“ worauf alle mit einem „huäh“ antworteten. Dann wurde das Querholz entfernt und die Prau legte an. Zuerst luden sie die erbeuteten Jars aus und legten sie vor die Hampatongs. Darauf zogen die Kopfjäger mit dem Kopf durch das Tor. Der Rächer, der den Todesstich gegeben hatte, ging voran. Jetzt schwiegen alle. Der Radenn, ihr Häuptling, stand zwischen den Hampatongs. Hardeland rief ihm zu: Wie soll denn je das Morden aufhören bei euch? Der Häuptling antwortete:„Toto auche!“ Das heißt:„Ein wahres Wort.“



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